
92 V. Diskussion
kontrollierten klinischen Studien ein signifikanter Effekt auf das Outcome von
Schlaganfallpatienten dokumentiert werden. Die Ursachen für das Scheitern dieses
therapeutischen Konzepts liegen neben dem Design der klinischen Studien und der
Auswahl und Dosierung der getesteten Substanzen auch in der Durchführung der
präklinischen Testungen in Tiermodellen, die hier als Bindeglied zwischen der
Grundlagenforschung und der klinischen Anwendung fungieren.
In den vorliegenden Studien wurde aufgezeigt, dass das weit verbreitete
Fadenmodell zum Verschluss der A. cerebri media an der Ratte zu einer Infarzierung
des Hypothalamus mit daraus resultierender pathologischer Hyperthermie führt.
Diese Nebenwirkung ist bei Hirninfarkten des Menschen unbekannt und ist durch
eine zwischen Ratten und Menschen unterschiedliche Gefäßarchitektur bedingt.
Diese über viele Jahre unzureichend beachtete Begleiterscheinung kann
offensichtlich die Ergebnisse präklinischer Neuroprotektionsstudien erheblich
beeinflussen. Dies wurde an der Beispielsubstanz Dizocilpin belegt, welche beim
Einsatz der permanenten Fadenokklusionstechnik keinen signifikanten Effekt
aufweist. Hypothalamusinfarkte und die daraus resultierende Hyperthermie konnten
bei allen Tieren, die dem permanenten Fadenokklusionsmodell wurden,
nachgewiesen werden. Dieser Nebeneffekt kann durch das Zurückziehen des
Fadens nach 90 Minuten im Reperfusionsmodell oder durch den Gebrauch des
Makrosphärenmodells als permanentes Okklusionsmodell verhindert werden.
Ferner ist das Fadenmodell mit zahlreichen Komplikationen behaftet. Dazu zählen
erfolglose Okklusionsversuche der A. cerebri media. Diese Tiere konnten aufgrund
der klinischen Untersuchung nicht sicher identifiziert werden, da einige Ratten eine
Hemiparese zeigten, obwohl nur eine ischämische Läsion des Zustromgebietes der
A. choroidea anterior vorlag und die A. cerebri media nicht verschlossen war. Daher
sollte durch zusätzliche Methoden, wie z.B. Magnetresonanz-Angiographie, die
Okklusion der A. cerebri media überprüft werden.
Neben den fehlerhaften Okklusionen der A. cerebri media kommt es beim Einsatz
des Fadenmodells häufig zu Gefäßperforationen, die zu Subarachnoidalblutungen
führen. Dieser Nebeneffekt tritt bei der Verwendung des Makrosphärenmodells nicht
auf.
Mit der Einführung des Makrosphärenmodells steht erstmals ein endovaskuläres
Modell zum permanenten Verschluss der A. cerebri media zur Verfügung, mit dem
die oben genannten Nebenwirkungen effektiv vermieden werden. Unter Verwendung
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