
86 V. Diskussion
Ein Anstieg der Körpertemperatur wird auch häufig bei Schlaganfallpatienten
beobachtet und verschlechtert die Prognose.
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Bei diesem Temperaturanstieg
handelt es sich jedoch wahrscheinlich eher um Fieber als um eine Hyperthermie, da
er in der Regel erst als Sekundärkomplikation (ausgelöst z.B. durch Pneumonien
oder Harnwegsinfekte) auftritt. Der Anstieg der Körperkerntemperatur erfolgt bei
Patienten daher erst mit deutlicher zeitlicher Latenz zu Beginn der zerebralen
Ischämie und nicht in der (besonders vulnerablen) Frühphase des Schlaganfalls.
6. Verbessert die Verwendung des Makrosphärenmodells die
Übertragbarkeit tierexperimentell gewonnener Erkenntnisse
auf den Menschen?
Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zeigen, dass bei Verwendung des neu
entwickelten Makrosphärenmodells gravierende Nebenwirkungen des etablierten
Fadenmodells nicht auftreten. So lassen sich mit dieser Technik
Hypothalamusinfarkte, die beim Menschen nicht vorkommen, und die hieraus
resultierende pathologische Hyperthermie vermeiden. Die Ergebnisse der
Neuroprotektionsstudie (Experiment I) belegen, dass die Beispielsubstanz Dizocilpin
im permanenten Faden-Okklusionsmodell keinen signifikanten neuroprotektiven
Effekt entfalten kann, während sich im Makrosphärenmodell eine hochsignifikante
Reduktion der Infarktgrößen nachweisen lässt. Durch eine Modifikation des
Makrosphärenmodells (Injektion von 10 anstatt 4 Sphären) konnten auch mit diesem
Modell die Nebenwirkungen der Faden-Technik simuliert werden, was wiederum zu
einem Versagen des neuroprotektiven NMDA-Antagonisten führte. Diese Studie
belegt, dass das Auftreten der durch Hypothalamusinfarkte induzierten
pathologischen Hyperthermie zu einer Maskierung des neuroprotektiven Effekts
dieser Substanz führte und stützt damit die bereits 1995 von Memezawa et al.
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formulierte Hypothese. Der Einsatz des Makrosphärenmodells kann daher die
Übertragbarkeit tierexperimentell gewonnener Ergebnisse auf den Menschen
verbessern.
Bisher ist unklar, ob das Auftreten einer pathologischen Hyperthermie nur die
Effektivität von NMDA-Antagonisten mindert, oder ob dies auch für andere
neuroprotektiven Substanzklassen gilt. Diesbezüglich sind weitere Studien
notwendig. Dennoch kann bereits jetzt die Vermutung geäußert werden, dass durch
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